Die Solnhofener Plattenkalke

Text: Klaus Vöge

Bilder: Gerald Mahn und Klaus Vöge

Nachdem uns Gerald jahrelang seine tollen Stücke aus den Solnhofener Plattenkalken präsentiert hat, wollten wir auch einmal die schönen Fische finden. So wurde schon lange im Voraus die Herbstreise 2013 geplant. Wir waren fünf Personen (Gerald Mahn, Solveig und Karsten Witteck, Anke und Klaus Vöge) und haben zwei Ferienwohnungen in Mühlheim (südl. Solnhofen) gebucht. Die Fahrt verlief mit einer Frühstückspause sehr ruhig und gelassen. Überrascht waren wir über „Solnhofen“.

Diese Ortschaft kennt ja wirklich jedermann, obwohl er sehr klein ist. Solnhofen ist untrennbar mit dem berühmten Naturstein Solnhofener Plattenkalk, der Lithographie von A. Senefelder und dem Urvogel Archaeopteryx verbunden. Der intensive Abbau der Plattenkalke begann 1798 mit der Erfindung von Alois Senefelder, der Lithographie. Das ist die Nutzung der Plattenkalke als Druckplatten für Bilder bei der, der Gegensatz von Fett und Wasser genutzt wird. Hieraus gingen der Flachdruck und später der Offsetdruck hervor, ein noch heute gebräuchliches Druckverfahren.

Aufgrund des intensiven Abbaus der Lithographieplatten wurden auch die Fundmöglichkeiten für Fossilien verbessert. 1861 wurde dann der erste Urvogel (Archaeopteryx) gefunden. Als Wertschätzung gegenüber der Lithographie erhielt er den wissenschaftlichen Namen Archaeopteryx lithographica. Bisher wurden weltweit elf mehr oder weniger gut erhaltene Skelette der Gattung Archaeopteryx sowie eine einzelne Feder gefunden. Alle diese Fossilien stammten aus den Schichten des oberen weißen Jura in den Steinbrüchen bei Eichstätt, Solnhofen, Langenaltheim und Jachenhausen bei Riedenburg. Nach dieser Reise in die Geschichte kamen wir zu dem Grund unserer Reise ins Altmühltal. Wir wollten Fossilien suche und finden. Damit wir auch wissen wonach wir suchen, haben wir den Besuch in dem Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen eingeplant. Man ist überwältigt, was in den letzten Jahrhunderten gefunden und zusammengetragen wurde. Von der Vielzahl der Fossilien möchte ich nur einige nennen: Es geht hier von der Saccocoma über Libellen, Garnelen, Pfeilschwanzkrebs, Schildkröte, Krokodil bis zum Riesenraubfisch. Die Attraktion war natürlich der Archaeopteryx, und für mich waren es auch die Quallen in dieser Größe.

Nach dem Museumsbesuch sind wir gleich in die Grube von Langenaltheim gefahren, um die Fische zu jagen. Obwohl wir einen bevorzugten Platz (auf der Sohle der Grube) erhielten, hat Solveig nur eine Sprotte gefunden. Wir wurden nicht nervös, denn wir hatten ja noch einige Tage vor uns. In den zwei Wochen unseres Aufenthalts im Altmühltal haben wir 4 Touristen-Steinbrüche angelaufen, um die Platten abzubauen und Fossilien zu finden. Unser 2. Aufschluss war der Fossiliensteinbruch Blumenberg. Zu unserem Bedauern klopft man hier zur Zeit in einer Schicht, die nicht sehr ergiebig ist. Unsere Funde waren auch dementsprechend mager.

Der nächste Klopfplatz war die Grube von Schamhaupten. Ein Sammler hat uns seine präparierten Fische aus diesem Steinbruch gezeigt und wir waren begeistert. Obwohl uns der Sammler warnte, mussten wir der Grube einen Besuch abstatten. Vor Ort mussten wir feststellen, dass wir nicht das richtige Werkzeug mit hatten. Um hier abzubauen sind ein 10 kg Hammer und eine 2 m Brechstange das richtige Gerät. Die fossilhaltigen Schichten sind unter den Kalkplatten von 20-30 cm Dicke. Während wir uns noch fragten, ob wir weiterfahren, verfrachtete ein einheimischer Sammler einen erfolgversprechenden Fisch in sein Auto.

In den folgenden Tagen haben wir öfter im Hobbysteinbruch von Schernfeld geklopft. Hier waren an mehreren Stellen die vielversprechenden Schichten zugänglich. Ebenso konnte auch recht gut im Abraum der aufgelassenen Grube gesammelt werden. Anke und Gerald bauten großflächig die Platten ab, während Solveig, Karsten und ich auf den Halden suchten. In diesem Steinbruch haben wir einige kleinere Fische, Saccocoma und Dendriten gefunden. Die großen Stücke blieben uns leider versagt. Obwohl auch die dicken Fische in den Gruben zu finden sind, muss man die berühmte Stecknadel im Heuhaufen finden. Und wir hatten das Glück bei dieser Reise nicht in unserem Gepäck.

Wenn man im Altmühltal auf Fossiliensuche ist, kommt man an den Jura-Museen nicht vorbei, um seine geplanten Funde zu besichtigen. Das Bürgermeister-Müller-Museum im Solnhofen habe ich bereits am Anfang beschrieben. Unser nächstes Ziel war die Willibaldsburg in Eichstätt. In diesen altwürdigen Mauern ist das Juramuseum mit seinen Fundstücken untergebracht. Was uns sehr gut gefallen hat, sind die Aquarien die uns die lebenden Fossilien (Fische, Korallen, Seeigel, Pfeilschwanzkrebse usw.) zeigten, die man in der Ausstellung mit den Jura-Fossilien vergleichen kann. Gleich am Anfang der großen Sammlung hat eine Sonderausstellung uns sprachlos gemacht. Der Titel war ganz einfach gehalten: „Frischer Fisch aus alten Zeiten“. Diese Fische, die in Ettling gefunden werden, haben eine Farberhaltung wie sie von uns noch niemand gesehen hat. Man könnte denken, dass sie direkt aus einem Fischgeschäft kommen. Leider ist die Grube für Besucher nicht freigegeben. In der Sammlung, die sich über mehrere Räume erstreckt, werden die Prachtstücke aus den 150 Jahren Sammlertätigkeit ausgestellt. Das geht vom Haarstern über Garnelen, Bodenhai, Riesenfisch bis zum über 5 m langen Krokodil. In einer Vitrine werden einige Kopien der gefundenen Archaeopteryx ausgestellt. Daneben kann man das Original des Eichstätter Exemplars vom Archaeopteriyx lithographica (H.v.Meyer 1861), das 1951 auf der Peterhöhe bei Eichstätt gefunden wurde.

Nach dem sehenswerten Museum statteten wir dem Museum für Ur- und Frühgeschichte, was ebenfalls in der Burg untergebracht ist, einen kurzen Besuch ab. Das dritte Museum, das wir besuchten, ist direkt neben dem Besuchersteinbruch am Blumenberg. Auf dem Gut Harthof ist das kleine Museum der Firma Bergér untergebracht. Hier sind nur Fundstücke untergebracht, die in den Steinbrüchen der Firma Bergér gefunden wurden. Über 800 verschiedene Tier- und Pflanzenarten sind in den Gruben ans Licht gekommen, und viele davon werden gezeigt. Auch hier wird in einer Vitrine die Geschichte des Urvogels erklärt. In der Lithographie (einem Steindruckverfahren) werden seit dem 18. Jahrhundert die Solnhofer Plattenkalke genutzt. Künstler nutzen heute noch diese Methode. Bei Bergér findet man eine voll funktionsfähige Lithopresse aus dem Jahr 1850. Fazit: Wenn man in der Gegend ist, sollte man alle drei Museen besuchen.

Damit war unser Kulturprogramm aber noch nicht zu Ende. Wir waren noch auf der Rosenburg und haben uns eine Flugvorführung der Falken, Adler und Geier angesehen. Hier wird die große Tradition der Falknerei lebendig erhalten. Die Tiere stammen alle aus der Zucht, die meisten sogar aus der eigenen Zuchtstation. Am Fuß der Rosenburg liegt Riedenburg mit seinem Kristallmuseum. Die Spezialität dieser Ausstellung sind die über 300 Repliken der legendären Historischen Diamanten und deren Geschichte über ihre Besitzer. Das zweite Highlight ist die 7,8 Tonnen wiegende Bergkristallgruppe aus den Bergen von Arkansas. In Pappenheim haben wir die Burg des Reichserbmarschall Gottfried Heinrich besichtigt. Solveig, Karsten und Anke waren noch in Weißenburg um den Limes zu besuchen. Damit waren unsere 14 Tage Altmühltal schon wieder zu Ende und es ging wieder in Richtung Norden.

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